Liebe Küsterinnen und Küster, liebe Schwestern und Brüder!

„Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt.“ Ps. 26, 8

Ja, das spürt man Ihrem Einsatz und Ihrer Arbeit ab, die Liebe und Verbundenheit mit Ihrer Kirche, dem Haus Gottes.

Küster, das ist ein seltener Beruf, ein wenig aus der Zeit gefallen, so scheint es. Aber gerade in unserer Zeit, in der viele Menschen nie oder selten eine Kirche betreten, ist er von größter Bedeutung, eine Berufung. Eine Berufung, die Sie im Haupt- oder Ehrenamt ausfüllen. Mit Ihrem Dienst schaffen Sie nicht nur wichtige Grundlagen für den Gottesdienst und sonstige Veranstaltungen. Darüber hinaus sind Sie auch „Türöffner“ für all die Menschen, die sich in einer Kirche nicht zu Hause fühlen, aber doch gern dieses für sie fremde Haus betreten und entdecken möchten.

Auch wenn Sie als Küster im wörtlichen Sinne den Raum bewachen, ist durch Ihren Dienst noch etwas anderes wach und lebendig: eine Atmosphäre des Willkommens, eine freundliche Zugewandtheit und zugleich Diskretion. Mancher Gast möchte ein Gespräch, mancher Informationen und eine andere möchte nicht gestört werden, sucht nur Ruhe und Stille. Eine Küsterin wacht auch in dieser Hinsicht, nämlich indem sie wahrnimmt, was gerade dran ist. Und als drittes: Sie halten auch etwas sehr Wichtiges und Wesentliches wach: den Glauben. Denn die vielen sichtbaren Zeichen eines Kirchenraumes weisen auf etwas Unsichtbares hin. Die Schönheit des Blumenschmucks erzählt von der Schönheit der Schöpfung, die brennenden Kerzen zeugen von der Gegenwart Gottes und unserer Hoffnung, das aufgeschlagene Evangelium zeigt uns Christus. Das alles sind Zeichen, die über das Sichtbare hinaus weisen und Glauben wecken. All das ist im Haus Gottes vereint, das Sie bewahren und pflegen und offen halten für alle, die kommen und die Sie willkommen heißen.

So müssen Sie in Ihrem Dienst flexibel sein. Sie sind Empfangskomitee, stiller Begleiter, der sich auch unsichtbar machen kann, Seelsorger, Kirchenführer mit Kompetenz und Wissen zur Baugeschichte, Lektor und Florist, Handwerker, Hausmeister und Reinigungskraft und manchmal schlicht Organisator oder Eintrittskartenverkäufer und nötigenfalls auch schneller Helfer in der Not. Man spürt es einer Kirche ab, ob sie nur bewacht wird, oder ob der Geist des Willkommens, der Menschenfreundlichkeit und des Gebets darin ist. Man nimmt die Liebe für´s Detail wahr und freut sich daran. Sie helfen wesentlich mit, die Gastfreundschaft Gottes in der Gemeinde sichtbar und erfahrbar zu machen.

Wenn andere zu Hause gemütlich bei ihrer Familie sitzen, sind Sie in der Kirche: zu Weihnachten, Ostern, Sonntags und zu anderen ungewöhnlichen Zeiten. Ihre Kirche ist Ihnen ein Stück Heimat und Sie tun alles, damit das auch für andere so sein und werden kann.

Ich danke Ihnen für Ihren verlässlichen Dienst in unseren Kirchen und Gemeinden und wünsche Ihnen gute Kräfte, Freude und Gottes Segen in all Ihren vielfältigen Aufgaben.

 

Ihre Landesbischöfin (2009-2019) der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland

Ilse Junkermann